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3 / 6 [->] Pony


Pony war klar, dass man mit diesem Schalter nicht leichtfertig hantieren sollte, aber es merkte, dass es nicht mehr lange der Versuchung würde widerstehen können, die Kunst - nur vorübergehend natürlich - auszuschalten. Alle Theorie hin oder her, allein dieses Experiment würde zeigen können, welche Rolle die Kunst zu Beginn des 21 Jhdt. tatsächlich spielte.

Ob der Kunstbetrieb von der Kunst abhing, also von dem Experiment beeinträchtigt werden würde, darüber war Pony sich nicht sicher, hielt es aber immerhin für möglich und hatte sich daher für alle Fälle ein Flugticket in eine ungenannt bleibende Karibikrepublik gekauft; falls D. Zwirner oder Ch. Saatchi auf Schadensersatz klagen würden, könnte es teuer werden und besser sein, zumindest für eine Zeit lang, von der Bildfläche zu verschwinden*.

Gegenüber einer kritischen Diskussion mit (dann vorübergehend nicht mehr) Kunstschaffenden hatte Pony dagegen kaum Bedenken, auch wenn es sich bewusst war, dass das Experiment ein gewisses diktatorisches Element beinhaltete und einiges an Missstimmung verursachen könnte. Es hatte seinen Konzeptkunst-Kanon gelesen und die passenden Argumente parat ...

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D. Zwirner war schon lange scharf auf verschiedene Arbeiten aus Ponys J. Rhoades Sammlung und Ch. Saatchi hatte mehrfach Interesse an den Britart Sachen geäußert, die es gekauft hatte, bevor der Hype darum losging - irgendwie würde man sich schon einigen können. Aber solange würde Pony lieber eine unbeschwerte Zeit mit Wasserski, Tauchen und guter Lektüre am Palmenstrand verbringen. Sollte sich sein Anwalt mit den Verhandlungsdetails rumärgern.

Ponys Kunstschalter, 2006