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4 / 6 [->] Pony


Wie Pony an den Datenträger mit dem bisher geheimgehaltenen Manifest "re-thinking conceptual art - subtlety, subversity and the big bang" von Bob Ross gekommen war, darüber würde es nicht berichten dürfen aber es war sich der Tragweite seiner Entdeckung vollkommen bewußt. Der Artikel der das Manifest, eine brilliante und hochkomplexe theoretische Schrift, vorstellen würde war fast fertig (Artforum, Parkett, Flash Art und Kunstforum international würden Sonderausgaben herausgeben)* und Pony dachte mit etwas Sorge daran, wie es sein würde, nach der Veröffentlichung, plötzlich voll im Rampenlicht des Interesses der internationalen Medienwelt zu stehen, hatte bereits eine Liste der Talkshows gemacht bei denen es auf keinen Fall teilnehmen würde und sich nach einem Refugium, einem abgelegenen Vereinshaus eines finnischen Schachklubs, umgesehen, in dem es sich für eine Weile zurückziehen würde, wenn die Aufdringlichkeit der Journalisten ein erträgliches Mass überschreiten sollte.

* Einer der Eckpunkte der Schrift, soviel war durchgesickert, war wohl, dass sich nach der vollzogenen Loslösung von Visuellen (oder Retinalen) und der Abstraktion künstlerischer Standpunkte in reflexiven Modellen als nächster Schritt die Loslösung von Text erfolgen müsse, der Text also nur noch als virtuelles Konzept von Bedeutung sei, das sich, basierend auf einem rekusiven, selbstähnlichen (im Sinne von Mandelbrot) Modell, als Neo-poststrukturaler Gestus etabliere und damit die bisherige, konventiolle Bedeutung von Text (ecriture) abstrahiere und sich so darüber erhebe. Aber warten wir den Artikel von Pony ab, dann wissen wir es genauer.
Re-Thinking Conceptual Art, 2006